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Chemieindustrie zu EU-Arzneimittelstrategie: Chance für Patienten und Wirtschaft

Forschung entscheidend für Versorgungssicherheit bei Medikamenten

15.09.2020 | Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bei der Gewährleistung einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Darüber hinaus soll Europa wieder führend im Bereich Forschung und Entwicklung in der Gesundheitsversorgung und ein wichtiger Handelspartner im Bereich Arzneimittel und Medizintechnik werden. All diese Herausforderungen sollen mit der geplanten EU-Arzneimittelstrategie, deren Fertigstellung noch dieses Jahr erwartet wird, abgedeckt werden.

Einige wichtige Schwerpunkte bei den Vorschlägen der Kommission liegen in der Reduktion von Kosten im Gesundheitsbereich und in der Aufweichung des aktuellen Innovationsschutzes. In der aktuellen Situation sind derartige Vorschläge nicht angemessen. Die Covid-19-Krise hat klar gezeigt, wie anfällig die europäischen Gesundheitssysteme sind. Ganz im Gegenteil besteht heute in Europa die Notwendigkeit, Investitionen in die Belastbarkeit der Gesundheitssysteme zu tätigen. Dazu sind ununterbrochene und leistungsfähige Lieferketten ebenso wichtig wie die Stärkung der Produktion und Forschung in Europa, die in den letzten Jahren erodiert ist. 47 Prozent der neuen Wirkstoffe haben ihren Ursprung heute in den USA, nur noch 25 Prozent in Europa. Auch massive Verlagerungen in der Wirkstoffproduktion nach Asien haben die europäische Pharmabranche geschwächt. Maßgebliches Ziel der EU sollte daher sein, die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu steigern. Standort-Investitionen und Schutz von Innovationen sind sowohl für die Versorgung der Patienten mit den bestmöglichen Therapien als auch ökonomisch dafür weitaus zielführender als Kostenreduktionen und Innovationshemmnisse. „Die EU-Arzneimittelstrategie sollte als Chance genutzt werden, die europäische Forschungslandschaft im Bereich der Medizin auszubauen, um den zukünftigen Herausforderungen der Gesundheitssysteme gewachsen zu sein. Die Forschung sollte dabei als Schlüsselfaktor für die wirtschaftliche Erholung in der EU positioniert werden“, kommentiert Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des FCIO, die Pläne der EU-Kommission.

Globale Zusammenarbeit gegen Lieferengpässe

Neben der Forschung ist auch die Versorgungssicherheit der Patienten mit Medikamenten ein zentraler Punkt in der EU-Strategie. Schon vor der Pandemie kam es zu Engpässen bei unentbehrlichen Arzneimitteln wie Krebstherapien, Impfstoffen und antimikrobiellen Mitteln. Daher braucht es eine gründliche Prüfung der Frage, wie die Lieferketten - von der Einfuhr von Wirkstoffen, Rohstoffen und Arzneimitteln aus Drittländern bis hin zu Produktion und Vertrieb innerhalb der EU - sicherer und zuverlässiger gestaltet werden können. Dafür müssen umfassende Initiativen entwickelt werden, um eine nachhaltige Produktion und die Elastizität der Lieferketten für die sichere Versorgung von Patienten zu unterstützen. Dies erfordert einen abgestimmten, übergreifenden Rechtsrahmen für die Bereiche Arzneimittel, Chemikalien, Umwelt und Finanzierung. „Europa muss eine führende Rolle bei der Entwicklung von global harmonisierten Arzneimittel-, und Umweltstandards einnehmen und sich für belastbare Lieferketten rund um die Welt einsetzen, welche von Pandemien und anderen Naturkatastrophen unbeeinträchtigt bleiben“, so Hofinger. Bei der Sicherung der Arzneimittelversorgung geht es aber nicht nur um die Sicherung bestehender und Erforschung neuer Therapien. Es muss ebenso sichergestellt werden, dass innovative und vielversprechende Therapien für alle Patienten die diese benötigen, zugänglich sind. „Die Menschen erwarten einen raschen und einfachen Zugang zu sicheren, modernsten und erschwinglichen neuen und etablierten Therapien. Das kann nur dann gewährleistet werden, wenn Kommission und Pharmaindustrie gemeinsam am gleichen Ziel arbeiten: Der bestmöglichen Versorgung der Patienten mit lebenswichtigen Medikamenten“, so Hofinger.

Woher kommen unsere Medikamente

Knapp zwei Drittel stammen aus der Europäischen Union

22.07.2020 | Die gesamten Arzneimittel-Importe nach Österreich beliefen sich 2019 auf 6,8 Milliarden Euro. Etwa hundert unterschiedliche Länder versorgen Österreich mit Arzneimitteln.

  • Drei Viertel davon kommen aus gerade einmal von 5 Ländern: Deutschland, USA, Schweiz, Italien und Frankreich.
  • Der Großteil der Importe stammt aus der EU (62 Prozent).
  • China und Indien sind bei weitem nicht die größten Medikamenten-Lieferanten: Mit Arzneimitteln im Wert von 38 Milliarden macht China gerade einmal 0,56 Prozent aller Importe aus, Indien mit 72 Milliarden immerhin 1 Prozent.

  • Betrachtet man die Mengen, so erhöht sich der Anteil Chinas zwar auf 2,8 Prozent, Indien bleibt aber weiterhin unter der Wahrnehmungsschwelle.

Fahrplan EU-Arzneimittelstrategie: Wichtige Schwerpunktfelder für die Pharmaindustrie noch nicht ausreichend berücksichtigt

07.07.2020 |Fokus auf Innovation Voraussetzung für Versorgungssicherheit bei Medikamenten und Führungsrolle in der globalen Arzneimittelforschung

Die Gesundheitssysteme Europas gehören zu den besten der Welt. Maßgeblichen Anteil daran hat auch die europäische Pharmabranche, die trotz der gestiegenen Herausforderungen durch die Globalisierung in den Bereichen Forschung und Produktion immer noch zu den innovativsten und stärksten zählt. Um die sichere Versorgung der europäischen Patienten mit lebenswichtigen Medikamenten auch weiterhin gewährleisten zu können und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Pharmabranche zu stärken, hat die EU-Kommission eine Arzneimittelstrategie angekündigt, die bis Ende des Jahres vorgelegt werden soll. Aus Sicht der pharmazeutischen Industrie fehlen in dem dazu veröffentlichten Fahrplan aber noch entscheidende Antworten und Lösungsansätze, wie man diese Ziele erreichen möchte. Insbesondere die Bereiche Forschung und Innovation sind zu wenig verankert. „Wir begrüßen die Anerkennung der Bedeutung der pharmazeutischen Branche durch die EU-Kommission und deren Ambition ein positives politisches Umfeld schaffen zu wollen. Leider enthält der Fahrplan zur Arzneimittelstrategie aber nicht im ausreichenden Ausmaß mutige Lösungsansätze, um weltweit führend im Bereich der Medikamentenforschung und -produktion zu sein“, kommentiert Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), den Fahrplan der EU-Kommission.

Forschung, Patente, Generikaproduktion

Um die EU an die Spitze der der pharmazeutischen Innovation zu bringen und eine Versorgung mit den besten und innovativsten Arzneimitteln für die gesamte Bevölkerung zu gewährleisten, sind aus Sicht der pharmazeutischen Industrie drei Schlüsselbereiche entscheidend:

  • Europa braucht eine Forschungs- und Produktionsinfrastruktur, die ein optimales Umfeld für die Entwicklung der nächsten Generation von Impfstoffen und Therapien liefert, um die Bereitstellung von Gesundheitslösungen für Patienten zu beschleunigen und die innovative Produktion zu fördern.
  • Europa braucht einen starken Patenschutz, der Sicherheit und Vorhersehbarkeit für Investoren und Innovatoren bietet und damit Investitionen in die Entwicklung künftiger Therapien zum Nutzen der Patienten anzieht.
  • Europa braucht eine klare Strategie für die lokale Produktion von lebensnotwendigen Wirkstoffen und Generika in der Europäischen Union, um den Standort und die Versorgung der Bevölkerung mit etablierten Arzneimitteln dauerhaft zu gewährleisten.

Bei all diesen Maßnahmen ist ein langfristiges, verlässliches gesetzliches Framework Voraussetzung für eine erfolgreiche Erreichung der Ziele der Versorgungssicherheit und der Stärkung des Pharmastandorts. Speziell für kleine Länder wie Österreich sind dabei stabile Rahmenbedingungen eine Grundlage dafür, sich als attraktives Ziel für Investitionen präsentieren zu können. „Die pharmazeutische Industrie ist bereit, mit allen beteiligten Stakeholdern in Europa zusammenzuarbeiten, um medizinische Innovationen zu schaffen und einen nachhaltigen Zugang zu Arzneimitteln für alle Bürgerinnen und Bürger dauerhaft zu ermöglichen. Dafür braucht es aber eine Strategie, die die langfristigen Prozesse und Planungen zulassen, die für Erfolge in der Entwicklung pharmazeutischer Spitzenprodukte nötig sind“, so Hofinger.

Verlängerung des Preisbands erhöht Versorgungssicherheit bei Arzneimitteln

30.06.2020 | Chemische Industrie begrüßt Gesetzesantrag zur Absicherung der heimischen Pharmaproduktion

Die Corona-Krise hat gezeigt, wie fragil Lieferketten sein können, gerade auch in der Arzneimittelversorgung. Um mögliche Lieferengpässe in Zukunft zu vermeiden, ist es daher wichtig, diese Lieferketten stabiler zu gestalten und vor allem auch die heimische Produktion zu stärken. Eine wichtige Maßnahme dazu wurde heute von den Regierungsparteien im Gesundheitsausschuss beschlossen: Die Verlängerung des sogenannten Preisbands für Arzneimittel. Mit diesem erfolgreich erprobten Instrument ist es Herstellern möglich, höhere Produktionskosten in Österreich oder der EU gegenüber Konkurrenten aus Niedriglohnländern zumindest teilweise auszugleichen und lebenswichtige Medikamente weiterhin hierzulande herzustellen. Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) begrüßt das Bekenntnis der Regierungsparteien zur heimischen Pharmaproduktion. „Die Verlängerung des Preisbands ist ein wichtiger Schritt für die Absicherung der Arzneimittelherstellung in Österreich. Es ist sehr erfreulich, dass diese sinnvolle Maßnahme zum Schutz der Versorgungssicherheit und des Produktionsstandorts beibehalten wird“, erklärt Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des FCIO.

Stärkung des Produktionsstandorts führt zu höherer Versorgungssicherheit

Der heutige Beschluss ist aus Sicht der chemischen Industrie ein sehr positives Zeichen dafür, dass in der Politik die Bedeutung der Arzneimittelproduktion für Österreich erkannt wurde und man sich nun verstärkt für den Erhalt der Versorgung der Bevölkerung durch lokale Herstellung einsetzt. Die Stärkung der Generikaproduktion in Österreich bedeutet gleichzeitig ein Engagement für den Umweltschutz, da die Produktionsstandards hierzulande weitaus höher sind. „Die Beibehaltung des Preisbands ist damit eine win win Lösung für alle Beteiligten: Patienten profitieren von der gesicherten Versorgung, Beschäftigung und Wertschöpfung werden erhalten und gleichzeitig höchste Umweltstandards in der Produktion erfüllt,“ so Hofinger abschließend.

Round Table Arzneimittelversorgung

29.06.2020 | Parallelexporte, Produktionsverlagerungen oder Probleme in der Lieferkette – eine sichere Arzneimittelversorgung und der Pharmastandort sind in Österreich und Europa schon länger ein wichtige Themen. 

Durch die Corona-Krise wurde in den vergangenen Monaten nun noch deutlicher sichtbar, wie schwierig die Aufrechterhaltung der Arzneimittelversorgung in Krisenfällen sein kann. Insbesondere, wenn Europa bei vielen Wirkstoffen von asiatischen Ländern abhängig ist. In einem Online-Round-Table der Tageszeitung „die Presse“ wurde nun in Zusammenarbeit mit dem Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) mit einer hochkarätigen Expertenrunde darüber diskutiert, wie die Arzneimittelversorgung innerhalb der EU sichergestellt und der heimische Pharmastandort gestärkt werden kann. Den vollständigen Artikel finden Sie im Downloadbereich.

 

Die chemische Industrie im Kampf gegen Covid-19

16.06.2020 | Die chemische Industrie ist bei der Bewältigung der Pandemie ein unverzichtbarer Partner. Seit Beginn der Covid-19-Krise setzten zahlreiche Mitglieder des FCIO Initiativen, um mit Produkten oder Projekten dem Coronavirus entgegenzuwirken.

Unter http://www.fcio.at/chemische-industrie/covid-19-fighters/ finden Sie eine Auswahl an Beiträgen, die einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen Covid-19 geleistet haben, immer noch leisten oder in Zukunft leisten werden.

Pharmaindustrie trotzt Krise mit Standortinvestitionen in Österreich

26.05.2020 |Positive Rahmenbedingungen für langfristigen Erhalt der Arzneimittelproduktion essenziell

Die Coronakrise ist sowohl gesundheitlich als auch wirtschaftlich eine große Belastung für Österreich. Umso erfreulicher sind positive Nachrichten für den heimischen Wirtschaftsstandort. Solche kommen aktuell aus Tirol, wo der global tätige Pharmakonzern Novartis heute bekannt gegeben hat, 30 Millionen Dollar in seinen Produktionsstandort in Kundl zu investieren. Damit soll die Wirkstoff-Produktion eines hochinnovativen Netzhaut-Präparats nach Österreich geholt werden. Bis 2021 soll dann die komplette globale Produktion in Tirol erfolgen. „Die Investition in die Produktionsstätte Kundl zeigt, dass Österreich als Standort für Arzneimittelproduktion gefragt ist. Wir freuen uns, dass die heimischen Standorte mit ihren hochqualifizierten und motivierten Mitarbeitern und Entscheidungsträgern eine gute Reputation innerhalb global tätiger Pharmaunternehmen haben und wichtige Investitionen in unser Land bringen“, begrüßt Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), die Ansiedelung der Wirkstoff-Produktion von Novartis in Kundl.

Welche Bedeutung die Pharmaindustrie für Österreich hat, zeigt sich auch bei den wirtschaftlichen Kennzahlen Aktuell setzen heimische Pharmaunternehmen mit ihren Mitarbeitern direkt rund 5 Milliarden Euro pro Jahr um. Wenn man auch noch die vor- und nachgelagerten Bereiche einbezieht, ergibt sich sogar eine indirekte Wertschöpfung von etwa 10 Milliarden Euro. Damit leistet die Pharmaindustrie einen Beitrag von fast 3 Prozent zum gesamten Bruttoinlandsprodukt in Österreich. Jede Stärkung, jede neue Investition der heimischen Pharmabranche erhält den Charakter als Industrieland und sichert den Wohlstand. Um Forschung und Arzneimittelproduktion in Österreich zu halten, ist es entscheidend, den österreichischen Standort attraktiv zu gestalten und Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen flexibel auf die Bedürfnisse der Unternehmen reagiert werden kann. Denn Produktionsstandorte für lebenswichtige Medikamente und Wirkstoffe sind weltweit heiß umkämpft. „Wir begrüßen den aktuellen Wunsch seitens der Politik, Verlagerungen von Medikamentenherstellung rückgängig zu machen. Damit dies gelingen kann, sind Maßnahmen nötig, die sowohl die Unternehmen bei der Produktion im Inland unterstützen, als auch die globalen Lieferketten absichern. Eine gute Erstattungspolitik ist ebenso notwendig, wie eine gute internationale Zusammenarbeit“, so Hofinger. 

Faire Preise notwendig, um Arzneimittelproduktion in Österreich halten und auszubauen

Neben planbaren, langfristig ausgelegten Rahmenbedingungen für die Unternehmen braucht es vor allem faire Preise bei Medikamenten. Sowohl bei innovativen Therapien, wie auch im Bereich der Generika. Durch die Globalisierung der Arzneimittelproduktion ist ein Preisdruck entstanden, bei dem es kaum möglich ist, ohne Unterstützung eine dauerhafte konkurrenzfähige Produktion in Österreich zu halten. „Es ist für heimische Unternehmen sehr schwierig im internationalen Wettbewerb zu bestehen, wenn eine Packung Kaugummi mehr kostet als lebensnotwendige Medikamente, die zahlreichen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen entsprechen müssen“, so Hofinger. Um die Arzneimittelproduktion in Österreich halten zu können, braucht es gut durchdachte politische Maßnahmen. Wie etwa das gesetzlich geregelte „Preisband“. Dieses bestehende Instrument ist sehr gut geeignet, dem Preisdruck gegenzuhalten und Preisunterschiede auf Grund der höheren Produktionskosten in Österreich zumindest teilweise auszugleichen. Diese Regelung ist aber nur bis Herbst 2020 befristet. „Das Preisband ist eine vernünftige Lösung, die dringend ins Dauerrecht übernommen werden muss, um die Abhängigkeit bei wichtigen Medikamenten von einzelnen Herstellern in Schwellenländern zu verringern und die Versorgungssicherheit zu erhöhen“, appelliert Hofinger an die politischen Entscheidungsträger, den österreichischen Produktionsstandort für Medikamente dauerhaft zu stärken.

Frauen in der Pharmaforschung

28.04.2020 | "Auf weibliche Talente zu verzichten würde bedeuten, auf 50 Prozent der Talente zu verzichten." Diese Erkenntnis gilt insbesondere für die österreichische Pharmaindustrie.

Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten im F&E Bereich sind dort weiblich, im Gegensatz zu lediglich 30 Prozent Frauenanteil in der übrigen Forschung in Österreich.

Warum das so ist und aus welchen Gründen sich viele Frauen für eine Karriere in der Pharmaforschung entscheiden, können Sie im aktuellen "Forschung Spezial" der Tageszeitung Der Standard nachlesen: https://www.derstandard.at/story/2000117019224/wie-weiblich-ist-die-pharmaforschung

 

Pharmaindustrie begrüßt Verordnung zur Einschränkung des Parallelhandels

18.02.2020 | Verringerung von Arzneimittelengpässen durch geplantes Exportverbot erwartet

Lieferengpässe bei bestimmten Medikamenten haben sich im vergangenen Jahr zu einem großen Ärgernis für Patienten, Ärzte und für die gesamte Gesundheitswirtschaft entwickelt. Nach langen, intensiven Verhandlungen mit allen relevanten Stakeholdern im Arzneimittelbereich wurde nun ein erster Schritt zur Lösung erzielt. Unter Leitung des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) wurde eine Verordnung erarbeitet, die eine umfassende Meldung bei Lieferschwierigkeiten vorsieht. Davon abhängig kann das BASG Parallelexporte der betroffenen Arzneimittel, eine der Ursachen für den Mangel, verbieten. Bei Parallelexporten handelt es sich um den Weiterverkauf günstiger Medikamente für heimische Patienten ins höherpreisige Ausland durch Parallelhändler. Konkret sieht die nunmehr kundgemachte Verordnung vor, dass im Falle einer Einschränkung der Vertriebsfähigkeit einer verschreibungspflichtigen Arzneispezialität im Inland die betroffene Arzneispezialität vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) in einer Liste auf seiner Homepage allgemein zugänglich zu veröffentlichen ist. Die danach veröffentlichten verschreibungspflichtigen Arzneispezialitäten dürfen aus Gründen des Schutzes der öffentlichen Gesundheit nicht in eine andere Vertragspartei des EWR exportiert werden. Dieses neue, gezielte Exportverbot entspricht einer Forderung des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), der auch von der Europäischen Kommission grünes Licht gegeben wurde. „Unsere Einschätzung der EU-Konformität des Exportverbots bei Medikamentenengpässen hat sich bestätigt. Wir freuen uns, dass unser Vorschlag zur Einschränkung der Parallelexporte nun umgesetzt wird. Durch die Einführung eines umfassenden Vertriebsbeschränkungsregisters und des gezielten Exportverbots erwarten wir einen deutlichen Rückgang bei Lieferengpässen, der schon bald spürbar sein wird“, zeigt sich Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des FCIO überzeugt.

Standortbedingungen und Preisband - weitere Schritte zur Versorgungssicherheit nötig

Neben den erarbeiteten Regelungen müssen jedoch noch weitere Maßnahmen gesetzt werden, um eine optimale und sichere Versorgung der heimischen Bevölkerung mit Arzneimitteln zu gewährleisten. Denn eine weitere Ursache von Lieferengpässen sind Qualitätsmängel oder gar Produktionsausfälle bei Arzneimitteln oder in der Wirkstoffproduktion in Drittländern wie Indien oder China. Dies geschieht zwar nicht häufig, kann aber zu erheblichen Versorgungsproblemen führen. Die beste Methode, um dies weitestgehend zu verhindern, ist, die heimische Produktion und auch jene in der EU zu stärken. Dadurch würde sich die Abhängigkeit von Arzneimittelimporten reduzieren. Dazu braucht es einerseits Rahmenbedingungen für Unternehmen der pharmazeutischen Industrie, mit denen langfristige Planungen möglich sind. Andererseits aber auch faire Preise für Arzneimittel, insbesondere im bei der Rückerstattung im Generikabereich für Medikamente, für die es schon mehrere Nachfolgeprodukte gibt. Wenn bei den bereits günstigsten Medikamenten weiter an der Preisschraube gedreht wird, ist eine konkurrenzfähige Produktion in Österreich oder im EU-Ausland wirtschaftlich nicht mehr möglich. „Es ist wirtschaftlich nicht tragbar, dass eine Packung Kaugummi mehr kostet als lebensnotwendige Medikamente, die zahlreichen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen entsprechen müssen“, so Hofinger zu den Verwerfungen in der Preispolitik bei zahlreichen Arzneimitteln. Dieser Negativspirale muss eine proaktive Standortpolitik zum Erhalt heimischer Forschungs- und Produktionsstandorte im pharmazeutischen Bereich entgegengesetzt werden. Mit dem gesetzlich geregelten „Preisband“ gibt es laut Hofinger dazu bereits ein sehr gut geeignetes Instrument, Preisunterschiede auf Grund der höheren Produktionskosten zumindest teilweise auszugleichen. Diese Regelung ist aber nur bis Herbst 2020 befristet und muss aus Sicht des FCIO dringend verlängert werden. „Das Preisband ist eine vernünftige Lösung, die dringend ins Dauerrecht übernommen werden muss, um die Abhängigkeit bei wichtigen Medikamenten von einzelnen Herstellern in Schwellenländern zu verringern und die Versorgungssicherheit zu erhöhen“, appelliert Hofinger an die politischen Entscheidungsträger.

Pharmaunternehmen stemmen drei Viertel der Krebsforschung in Europa

04.02.2020 | Industrie investiert europaweit jährlich 8,5 Milliarden Euro

Krebserkrankungen gehören heute zur zweithäufigsten Todesursache in Europa. Mittlerweile sind sie für etwa ein Viertel aller Todesfälle verantwortlich. Dementsprechend sind in den vergangenen 25 Jahren auch die Anstrengungen zur Bekämpfung von Krebs erhöht worden. Seit 1995 haben sich die Ausgaben in Europa beinahe verdoppelt. Neben genaueren Diagnoseverfahren und umfangreicherer Präventivarbeit sind vor allem Innovationen bei Krebsmedikamenten für bessere Behandlungsmethoden und Überlebenschancen verantwortlich. Hier spielt die europäische Pharmaindustrie eine entscheidende Rolle. Laut einer aktuellen Studie des schwedischen Instituts für Gesundheitsökonomie IHE haben sich die Forschungsausgaben zur Bekämpfung von Krebs seit 2005 von 4,1 Milliarden Euro pro Jahr auf 11,8 Milliarden beinahe verdreifacht. Während vor 15 Jahren Investitionen der forschenden Firmen noch beinahe gleichauf mit den öffentlichen Forschungsausgaben gelegen sind, zeigen die neuesten Zahlen eine deutliche Verlagerung Richtung Pharmaindustrie. Die Unternehmen der Branche finanzieren mittlerweile 72 Prozent der Forschung zur Bekämpfung von Krebs. Jährlich sind das in Europa rund 8,5 Milliarden Euro. Öffentliche Investitionen liegen bei etwa 3,3 Milliarden Euro. An den großen Fortschritten, die aktuell in der Krebsforschung gemacht werden, ist auch die heimische Pharmabranche beteiligt. Der Bereich der Gen- und Zelltherapien ist einer der Forschungsschwerpunkte an den österreichischen Standorten. Wie wirkungsvoll die verstärkten Forschungsanstrengungen sind, zeigt ein Vergleich der Anzahl der Todesfälle durch Krebs seit 1995. Diese sind bei den meisten Bevölkerungsgruppen deutlich zurückgegangen. Bei den unter 65jährigen liegt der Rückgang bei 10 Prozent, bei den unter 40jährigen bei minus 40 Prozent und bei Kindern unter 14 Jahren haben sich die Todesfälle sogar halbiert. Lediglich bei älteren Patienten über 65 gab es einen Anstieg um 30 Prozent, was jedoch vor allem mit der Zunahme der Lebenserwartung und der damit allgemein höheren Sterblichkeitsrate dieser Altersgruppe zusammenhängt. „Die Pharmaindustrie investiert jährlich Milliarden in die Erforschung innovativer Heilmittel, um den Patienten die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen. Heilbarkeit erscheint mittlerweile keine ferne Utopie mehr zu sein, sondern könnte in naher Zukunft tatsächlich Realität werden. Dazu gehört ein klares Bekenntnis zur bestehenden Form der Forschungsprämie ebenso wie ein forschungs- und unternehmensfreundliches Umfeld. So kann das Ziel erreicht werden, die Krebspatienten mit immer besseren Therapien zu behandeln und zu heilen“, so Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO).

Hoffnungsträger Immuntherapie

Die Krebsforschung hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark verändert. Die früher häufigste Behandlungsform, die Chemotherapie, wird nach und nach durch neuere Ansätze, die zu einer besseren Lebensqualität führen, ersetzt und ergänzt. Seit 1995 wurden 118 neue Arzneimittel zur Bekämpfung von Krebs von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen. Der Schwerpunkt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten dabei zu den sogenannten „gezielten Krebstherapien“ verlagert, die den Großteil aller neuen Medikamente ausmachen. Aktuell etwa knapp drei Viertel aller neuen Arzneimittel in diesem Bereich. Seit 2015 bekommen auch Immuntherapien eine immer größere Bedeutung. Während im Zeitraum zwischen 2010 und 2014 nur eines von 35 neuen Krebsmedikamenten den Immuntherapien zugerechnet wurde, waren es zwischen 2015 und 2018 bereits sieben. Die Bedeutung zeigt sich auch in der Forschungsintensität. Alleine im September 2018 wurden europaweit über 2.250 klinische Studien im Bereich der Immuntherapien zur Krebsbehandlung durchgeführt. Bei der Immuntherapie geht es vereinfacht gesagt darum, das körpereigene Immunsystem gegen die Krebserkrankung zu aktivieren und zu stärken. Zu den aktuell erfolgversprechendsten Behandlungsformen gehört die sogenannte CAR-T-Zelltherapie. Mit den Immuntherapien lassen sich unterschiedliche Krebserkrankungen viel gezielter bekämpfen, ohne die vielfältigen Nebenwirkungen, wie sie etwa bei Chemotherapien auftreten.

Pharmaindustrie bedeutender Wirtschaftsfaktor für den Standort Österreich

25.11.2019 | Arzneimittelhersteller sind Garanten für Gesundheit, Wohlstand und Beschäftigung

Keine andere Branche leistet einen so zentralen Beitrag zur Verlängerung der Lebenszeit wie die Pharmaindustrie. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich die Lebenserwartung der Menschen in Österreich um mehrere Jahrzehnte gesteigert. Ein guter Teil dieses Zuwachses geht auf das Konto der Arzneimittelhersteller. Forschung ist dabei ein zentraler Faktor. Mehr als 300 Millionen Euro werden jährlich in die Entwicklung neuer Medikamente, Therapien und in Prozessoptimierungen investiert. Auch für die Entwicklung des Wohlstands sind die Leistungen der Pharmaindustrie ein wichtiger Eckpfeiler. Aktuell erwirtschaften heimische Pharmaunternehmen mit ihren Mitarbeitern direkt rund 5 Milliarden Euro pro Jahr. Wenn man auch noch die vor- und nachgelagerten Bereiche einbezieht, ergibt sich sogar eine indirekte Wertschöpfung von etwa 10 Milliarden Euro. Damit leistet die Pharmaindustrie einen Beitrag von fast 3 Prozent zum gesamten Bruttoinlandsprodukt in Österreich. Die heimischen Unternehmen stehen gleichzeitig unter einem enormen Wettbewerbsdruck. Nicht nur im Forschungsbereich ist die globale Vernetzung in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Auch bei der Produktion gab es bereits in vielen Bereichen Verlagerungen nach Asien und in die USA. Um Forschung und Produktion in Österreich zu halten, ist es entscheidend, den österreichischen Standort attraktiv zu gestalten und Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen flexibel auf die Bedürfnisse der Unternehmen reagiert werden kann. Wie wichtig das ist, zeigt sich am Beispiel Novartis. Der global tätige Pharmakonzern beschäftigt über 5.000 Mitarbeiter in Österreich und hat in den vergangenen 10 Jahren etwa 900 Millionen in seine heimischen Standorte investiert. „Wir brauchen erfolgreiche, innovative Unternehmen wie Novartis in Österreich. Forschung und Produktion sichern Wohlstand, Beschäftigung und Gesundheit in unserem Land. Für den Wirtschaftsstandort ist es daher von zentraler Bedeutung, die Industrie bei ihren Bestrebungen, Medikamente und Therapien in Österreich zu entwickeln und zu produzieren, zu unterstützen. Dazu gehört ein klares Bekenntnis zur bestehenden Form der Forschungsprämie ebenso wie ein forschungs- und unternehmensfreundliches Umfeld“, so Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO). 

Arzneimittelproduktion in Österreich halten

Um die heimische Produktion zu stärken, braucht es neben planbaren Rahmenbedingungen für die Unternehmen vor allem faire Preise im Bereich von Arzneimitteln. Wenn auch bei günstigen Medikamenten weiter an der Preisschraube gedreht wird, ist eine konkurrenzfähige Produktion in Österreich nicht mehr möglich. „Es kann nicht sein, dass eine Packung Kaugummi mehr kostet als lebensnotwendige Medikamente, die zahlreichen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen entsprechen müssen“, so Hofinger. Mit dem gesetzlich geregelten „Preisband“ gibt es dazu bereits ein sehr gut geeignetes Instrument, Preisunterschiede auf Grund der höheren Produktionskosten zumindest teilweise auszugleichen. Diese Regelung ist aber nur bis Herbst 2020 befristet. „Das Preisband ist eine vernünftige Lösung, die dringend ins Dauerrecht übernommen werden muss, um die Abhängigkeit bei wichtigen Medikamenten von einzelnen Herstellern in Schwellenländern zu verringern und die Versorgungssicherheit zu erhöhen“, appelliert Hofinger an die politischen Entscheidungsträger.

Zu viele bürokratische Hürden bei Beschäftigung internationaler Spitzenkräfte

Die wichtigste Ressource von innovationsgetriebenen Unternehmen sind ihre Mitarbeiter. Nur wer die besten Kräfte an sich binden kann, ist international wettbewerbsfähig und kann im Bereich Forschung und Entwicklung erfolgreich reüssieren. In einer global vernetzten Welt ist es von großer Bedeutung, Forscher und Fachkräfte an den Orten einsetzen zu können, wo sie mit ihrer Arbeit die größte Wirkung erzielen können. Hier gilt es, bürokratische Hürden abzubauen und die Prozesse zu beschleunigen. Nur so werden die heimischen Standorte weiter um die Weltspitze in der Pharmaforschung konkurrieren können.

Arzneimittel im niedergelassenen Bereich: moderates Ausgabenwachstum

14.11.2019 | Studie zeigt Entwicklung des erstattungsfähigen Arzneimittelmarktes bis 2023. Ergebnis dient als datenbasierte Grundlage zur Diskussion über Ausgaben für Arzneimittel.

Mit validen Daten lässt es sich leichter planen: Um eine faktenbasierte Sichtweise auf die Entwicklung bei den Arzneimittelausgaben in den nächsten vier Jahren zu ermöglichen und eine valide Basis für die Planbarkeit hinsichtlich der Arzneimittel im niedergelassenen Bereich zu schaffen, haben Apothekerverband, FCIO, FOPI und Pharmig die Studie „Pharma Forecast Austria 2023“ in Auftrag gegeben. Die Studie zeigt, dass der erstattungsfähige Arzneimittelmarkt bis 2023 jährlich real um durchschnittlich 1,5 Prozent wachsen wird.

„Die quantitative Prognose für die nächsten Jahre basiert auf Zeitreihenanalysen ergänzt um qualitative Einflussfaktoren. Das Wachstum bei innovativen Arzneimitteln wurde zusätzlich bewertet. Um die Prognose zu fundieren, haben wir zudem die Annahmen mit den Planungen einzelner Pharmafirmen abgeglichen“, erklärt Mag. Stefan Baumgartner, General Manager der IQVIA.

Grund für das moderate reale Wachstum von durchschnittlich plus 1,5 Prozent jährlich sind die Auswirkungen der gesetzlich vorgeschriebenen Preisreduktionen von Original- und Nachfolgepräparaten nach Patentabläufen. „Es ist anzunehmen, dass das Wachstum noch geringer ausfallen wird als die von uns berechneten inflationsbereinigten 1,5 Prozent. Denn zusätzlich zu den gesetzlichen Regularien wirkt auch die Marktdynamik auf die Preise. Das heißt, dass Unternehmen oftmals ihre Preise im Wettbewerb stärker senken, als es die in unserem Forecast zugrunde gelegten Regelwerke vorgeben“, so Baumgartner. Außerdem sind individuelle Rabatte der Hersteller nicht in die Berechnung mit aufgenommen worden.

Die Prognose zeigt, dass durch die Preissenkungen nach Patentabläufen ein Potenzial geschaffen wird, mit dem die erwartbaren Mehrkosten für innovative Arzneimittel mehr als kompensiert werden können: „Wir sprechen hier von Preiseffekten, die bis 2023 insgesamt etwa 944 Mio. Euro frei machen, denen wiederum Innovationen in Höhe von etwa 454 Mio. Euro gegenüberstehen“, so Baumgartner. Somit können diese rund 450 Mio. Euro über das fast doppelt so hohe Potenzial, das durch Preissenkungen entsteht, finanziert werden. „Gäbe es keine Innovationen, wäre der Markt sogar rückläufig“, ergänzt Baumgartner.

Dr. Thomas Czypionka, Head of Health Economics and Health Policy am Institut für höhere Studien (IHS) in Wien stellt die Zahlen in einen gesundheitspolitischen und gesundheitsökonomischen Kontext und erklärt: „Schon in den vergangenen Jahren sind die Ausgaben für Arzneimittel geringer gewachsen als die Einnahmen der Krankenkassen. Setzt man den Pharma-Forecast in Beziehung zur Wirtschaftsprognose, so wird sich dies zumindest bis 2023 fortsetzen.“ Auch im Vergleich zu den gesamten Gesundheitsausgaben liegt das Verhältnis ähnlich: „Die Gesundheitsausgaben machen etwa elf Prozent des BIP aus. Während es hier einen stetigen, geringfügigen Aufwärtstrend gibt, bleibt der Anteil der öffentlichen Arzneimittelausgaben für den niedergelassenen Bereich dagegen die letzten Jahre stabil“, so Czypionka weiter.

Die Schlüsse, die der Gesundheitsökonom aus den Ergebnissen der Studie zieht: „Die Zahlen des Pharma-Forecast legen nahe, dass das Wachstum der öffentlichen Arzneimittelausgaben im niedergelassenen Bereich mittelfristig kein Finanzierungsproblem erzeugt und dass das Ausgabenwachstum konstant ist, obwohl durch einige Neuentwicklungen ein Zusatznutzen für die Patienten entsteht. Er macht aber auch nochmal deutlich, dass es abseits der Finanzierbarkeit in einigen Bereichen Probleme gibt. So können durch über die Jahre konstante Preise der patentfreien Arzneimittel bei steigenden Arbeitskosten Probleme für Hersteller und Apotheken entstehen, da erzielbare Margen in diesem Bereich abschmelzen. Bei jährlich steigender Rezeptgebühr fallen auch für die Patienten immer mehr Medikamente aus der Erstattung und werden nicht auf die Rezeptgebührenobergrenze angerechnet.

Mit dem „Pharma Forecast Austria 2023“ wird jedenfalls eine Möglichkeit geschaffen, um mit belastbarem Datenmaterial zukünftige Arzneimittel-Ausgaben im Gesundheitssektor planbarer zu machen. Mit der darin aufgezeigten Prognose können zumindest jene Ausgaben, die für Arzneimittel im niedergelassenen Bereich bei den Krankenkassen anfallen, von diesen präziser budgetiert werden.

Gezieltes Exportverbot bei Versorgungsengpässen mit Arzneimitteln

Gezieltes Exportverbot bei Versorgungsengpässen mit Arzneimitteln

20.08.2019 | Versorgung von heimischen Patienten muss Vorrang vor Gewinnmaximierung haben.

Die aktuelle Diskussion rund um Lieferengpässe bei bestimmten Arzneimitteln in Österreich muss sich wieder auf die Lösung des Problems konzentrieren. Die Sicherheit und Gesundheit der Patienten müssen wieder im Mittelpunkt stehen und nicht der Versuch interessensgeleiteter, politischer Einflussnahme. Dazu gilt es, sich genauer mit den verschiedenen Ursachen der Lieferengpässe auseinanderzusetzen und zielgerichtete Lösungen zu erarbeiten. Dass einige wenige Arzneimittel in Österreich nicht ausreichend zur Verfügung stehen, liegt nämlich häufig an den sogenannten „Parallelexporten“. Es ist leider gängige Praxis, für den österreichischen Markt bestimmte und hierzulande günstigere Medikamente in höherpreisige Märkte wie Deutschland zu exportieren. Genau an diesem Punkt muss nach Meinung des Fachverbands der Chemischen Industrie (FCIO), zu dem auch die Pharmaproduzenten gehören, angesetzt werden. „Diese Art der Geschäftemacherei auf Kosten heimischer Patienten gehört dringend abgestellt. Die Hersteller produzieren ausreichend Arzneimittel für den heimischen Markt. Engpässe dürfte es eigentlich gar nicht geben. Diese entstehen zum Beispiel, wenn einzelne Apotheker Medikamente ins Ausland verkaufen, um höhere Profite zu erzielen. Mit einem Exportverbot im Falle von Liefereinschränkungen könnte man dieses Problem zum Wohl der Patienten schnell und effizient beheben“, erklärt Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des FCIO, die Notwendigkeit für schärfere gesetzliche Maßnahmen. 

Expertenvorschläge aufgreifen statt politischer Stimmungsmache

Eine hochrangige Taskforce unter Einbeziehung aller relevanten Stakeholder im Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) erarbeitet derzeit zahlreiche Vorschläge, um die Versorgungssicherheit bei Arzneimitteln zu gewährleisten. Eine der zentralen Maßnahmen ist die Einrichtung eines Vertriebseinschränkungsregisters. Dieses soll nicht nur für Transparenz am Markt sorgen, sondern könnte auch die Basis für gezielte Exportverbote bilden. „Wir benötigen eine klare gesetzliche Ansage gegen den Ausverkauf von Medikamenten, die für die österreichischen Patienten bestimmt sind. Im Sinne der Rechtssicherheit gehen wir davon aus, dass mit dem Knowhow der Experten im BASG eine EU-rechtskonforme Lösung gefunden wird. Im Falle einer Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung durch Lieferengpässe gibt es Ausnahmen von der EU-Warenfreiheit. Jetzt sollte man die Experten arbeiten lassen, statt das Thema für politische Stimmungsmache zu missbrauchen“, so Hofinger. 

Arzneimittelproduktion in Österreich halten

Eine weitere Ursache von Lieferengpässen können Produktionsausfälle bei Arzneimitteln sein, die in Drittländern wie China hergestellt werden. Die beste Methode, um dies weitestgehend zu verhindern, ist es, die heimische Produktion zu stärken. Dazu braucht es planbare Rahmenbedingungen für die Unternehmen und faire Preise gerade im Bereich von Arzneimitteln, für die es schon mehrere Nachfolgeprodukte gibt. Wenn bei den günstigsten Medikamenten weiter an der Preisschraube gedreht wird, ist eine konkurrenzfähige Produktion in Österreich oder im EU-Ausland nicht mehr möglich. „Es kann nicht sein, dass eine Packung Kaugummi mehr kostet als lebensnotwendige Medikamente, die zahlreichen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen entsprechen müssen“, so Hofinger. Mit dem gesetzlich geregelten „Preisband“ gibt es dazu bereits ein sehr gut geeignetes Instrument, Preisunterschiede auf Grund der höheren Produktionskosten zumindest teilweise auszugleichen. Diese Regelung ist aber nur bis Herbst 2020 befristet. „Das Preisband ist eine vernünftige Lösung, die dringend ins Dauerrecht übernommen werden muss, um die Abhängigkeit bei wichtigen Medikamenten von einzelnen Herstellern in Schwellenländern zu verringern und die Versorgungssicherheit zu erhöhen“, appelliert Hofinger an die politischen Entscheidungsträger.

Wirkstoffverschreibung keine Lösung für Lieferengpässe

Ein weiterer Vorstoß der Apothekerkammer und der Patientenanwaltschaft sorgt beim Fachverband der Chemischen Industrie für Kopfschütteln: Ärzte sollten in Zukunft nur mehr Wirkstoffe verschreiben und die Auswahl der Arzneimittel den Apothekern überlassen, so der Vorschlag. Dies würde einen massiven Eingriff in das bestehende Therapie- und Abgabesystem bei Arzneimitteln bedeuten. Nicht mehr der Arzt würde über die passende Behandlung eines Patienten entscheiden, sondern der Apotheker. „Die Wirkstoffverschreibung als Lösung für das Problem von Lieferengpässen bei Arzneimitteln zu präsentieren, ist aus Sicht des FCIO eine unzulässige Vermischung von Themen. Es stellt sich hier die Frage, ob dem Vorschlag nicht auch finanzielle Interessen wie Margengestaltung und Kosten für die Lagerhaltung zu Grunde liegen. Die Interessen der Patienten auf eine bestmögliche Versorgung mit Medikamenten wird damit jedoch sicher nicht berücksichtigt“, kommentiert Sylvia Hofinger den Vorstoß der Wirkstoffverschreibung.

Innovation Day Pharma am 26.09.2019

FCIO Innovation Day 2019 - Pharma

Wann? Donnerstag, 26. September 2019, von 14.00 – 18.00 Uhr

Wo? Wirtschaftskammer Österreich

Wiedner Hauptstraße 63, 1040 Wien


Die Unternehmen der Pharmaindustrie sind eine wichtige treibende Innovationskraft. Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung der Branche liefern Antworten auf Herausforderungen der Gegenwart wie der Zukunft.

Am diesjährigen Innovation Day erhalten Sie Einblick in die Lösungskompetenz von in Österreich produzierenden Pharmaunternehmen und in die Zukunftstrends im Gesundheitsbereich.

Jan-Uwe Meyer, Innovationsexperte und Buchautor, konnten wir für die Key Note gewinnen. Er erklärt uns, wie ein Unternehmen zum Innovationstreiber wird und wie sich die Zukunft durch radikale Innovationen gestalten lässt. Im Anschluss präsentieren österreichische Pharmaunternehmen innovative Projekte und aktuelle Lösungen.

Details zur Veranstaltung entnehmen Sie bitte dem Programm im Anhang.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, aber anmeldepflichtig. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Hinweis: Mit der Teilnahme an der Veranstaltung stimmen Sie zu, dass im Rahmen der Veranstaltung erstellte Bildaufnahmen, auf denen Sie abgebildet sind, in der Presse-Berichterstattung, in Medien des FCIO und Social Media veröffentlicht werden dürfen.

EFPIA Borschüre Pharmaceutical Industry in Figures

01.07.2019 | Anlässlich der Generalversammlung der EFPIA sind aktuelle Daten zur Pharmazeutischen Industrie in Europa veröffentlicht worden.

Der Fachverband hat die Erhebung der Daten für Österreich beigesteuert, die mit Hilfe des Institutes für Pharmaökonomische Forschung  gesammelt worden sind. Neben der durchaus soliden wirtschaftlichen Entwicklungen zeigt die Statistik auch Trends auf, die zur Herausforderungen für die Branche in Europa führen werden.

Pharmaindustrie: Spitzenforschung braucht ausgewogenen Datenschutz

Klinische Forschung muss weiterhin in Österreich stattfinden können!

„Klinische Forschung ist die Voraussetzung für medizinischen Fortschritt und innovative Therapien, die Menschenleben retten. Man kann sie nicht in einen Topf werfen mit Datensammlungen von Firmen wie Facebook oder Google“, fordert Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Chemischen Industrie, eine differenzierte und sachliche Diskussion dieser wichtigen und sensiblen Materien.

Klinische Studien sind ein vom Gesetzgeber formulierter Auftrag der Gesellschaft an Forschungseinrichtungen und forschende Pharmafirmen, um die Sicherheit und Wirksamkeit von neuen Wirkstoffen zu garantieren. Im Jahr 2017 liefen in Österreich insgesamt 235 klinische Studien mit dem Ziel einer Arzneimittelzulassung  oder –überprüfung. Gerade im Bereich der Krebsforschung und Kinderarzneiforschung ist Österreich im internationalen Spitzenfeld. Diese Position darf auf keinen Fall gefährdet werden.

Die Daten, die im Rahmen von klinischen Studien von Patienten gewonnen werden, sind äußerst sensibel und besonders schutzwürdig. Es ist selbstverständlich, dass Patienten der Verwendung ihrer Daten ausdrücklich zustimmen müssen. Dem durchführenden Arzt wird damit eine hohe Verantwortung auferlegt. In der klinischen Forschung kann nur der behandelnde Arzt die Verbindung zwischen Daten - die sofort pseudonymisiert werden –  und dem Patienten herstellen. Dieser Schlüssel wird und darf keinesfalls aus der Hand gegeben werden.

Eine Weiterverwendung von anonymisierten Daten kann ebenfalls wichtige Fortschritte in der Erforschung von anderen Krankheiten bringen: So können zum Beispiel Erkenntnisse aus der Krebstherapie auch für die Behandlung von Multipler Sklerose hilfreich sein. Damit wird der Wissensgewinn auch im Interesse der betroffenen Patienten optimiert und gleichzeitig das Geld, das in Forschung investiert wurde, effizient eingesetzt.

„Das Datenschutzanpassungsgesetz Wissenschaft und Forschung schafft eine ausgewogene Balance, indem es unter strengen Auflagen die Datennutzung für Forschungszwecke ermöglicht und gleichzeitig den notwendigen Schutz personenbezogener Daten sicherstellt“, äußert Hofinger ihre Unterstützung für das Vorhaben der Regierung.

Abschließend appelliert Hofinger an alle Beteiligten, den Nutzen von Forschungsleistungen im Auge zu behalten, die unsere hohen Gesundheitsstandards erst ermöglichen und hofft auf eine baldige Beschlussfassung des vorliegenden Entwurfes. 

Pharmaindustrie: Knappes Kassenplus darf nicht Reformwillen bremsen

15.02.2018 | Nun Maßnahmen im Regierungsprogramm zur Kassenfusion zügig umsetzen

Auch dieses Mal folgt die Bilanzierung des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger einem bekannten Muster: Prognostizierte der Hauptverband der Sozialversicherungen letzten Sommer noch ein Minus von 37 Millionen Euro für 2017, so gab er jetzt einen Gebarungsüberschuss von 4,7 Millionen Euro bekannt. Im Jahr davor verliefen die Prognosen sehr ähnlich: Im Voranschlag war ein Minus von 94 Millionen Euro, dann freute man sich über einen Überschuss von 81 Millionen Euro. „Der Hauptverband präsentiert pessimistische Prognosen, um die Erwartungen zu dämpfen und später ein positives Ergebnis als Erfolgsstory verkaufen zu können“, kommentiert Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbandes der chemischen Industrie die heute präsentierten Zahlen.

Bestätigt sieht sich Hofinger, was die moderate Ausgabensteigerung für Pharmazeutika betrifft, die mit 3,8 Prozent deutlich unter dem Voranschlag des Hauptverbandes lag. Zusätzlich werden von den Pharmafirmen für das Jahr 2017 Rabatte und Zahlungen in einer Größenordnung von 80-90 Mio Euro geleistet. „Die im Rahmenpharmavertrag festgelegten Solidarbeiträge der Pharmaindustrie sowie Individualrabatte auf Arzneimittel sind somit ein massiver Beitrag zu dem Gebarungsüberschuss der Sozialversicherungen.“ Wichtig wäre für Hofinger, dass diese Zahlungen künftig von den Ausgaben für Arzneimitteln abgezogen werden und nicht mehr als „sonstige Einnahmen“ verbucht werden, damit diese Unterstützung der Arzneimittelproduzenten auch an der richtigen Stelle in der Gebarung Niederschlag findet.

Das positive Ergebnis sollte nun aber auf keinen Fall vom massiven Reformbedarf ablenken, den es im Bereich der Sozialversicherung gibt. „Einzelne Maßnahmen, wie die Zusammenarbeit bei IT oder anderen Verwaltungsaufgaben, die eigentlich seit jeher eine Selbstverständlichkeit sein sollten, sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und können nicht als große Reformschritte verkauft werden.“ 

Dass ein Zusammenschluss der 22 unterschiedlichen Kassen erhebliche Kostenreduktionen bringt, haben mehrere Studien bewiesen. Nun ist es laut Hofinger an der Zeit, die im Regierungsprogramm verankerte Kassenreduktion auf fünf Träger als ambitioniertes Gesamtkonzept vorzulegen und auch den Plan zur Einhebung der Beiträge durch die Finanz weiterzuverfolgen. "Es dürfen nicht wie bisher die Partikularinteressen im Vordergrund stehen, nun ist echter Reformwille gefragt“, meint Hofinger. Einsparpotential, das dem Patienten zu Gute kommen muss, gibt es genug: So bekommen etwa kasseneigene Analyselaboratorien für eine bestimmte Blutprobenanalyse ein dreifach höheres Honorar als externe Vertragspartner. Ähnliche Zahlen zeigt ein Bericht des Bundesministeriums für Arbeit und Konsumentenschutz bei der PVA, wonach Aufenthalte in den eigenen Einrichtungen in den untersuchten Jahren jeweils mehr als das Doppelte kosteten, als dies bei Vertragseinrichtungen der Fall gewesen wäre. 

Auch wenn die aktuellen OECD-Zahlen zeigen, dass Österreich zu den Ländern mit den höchsten Ausgaben im Gesundheitswesen gehört, haben dennoch nicht alle Patienten Zugang zur Spitzenmedizin, wie jüngst der Fall eines 12-jährigen? Buben verdeutlichte. „Nur eine groß angelegte Reform kann in unserem Gesundheitssystem zu Verbesserungen führen, von denen die Patienten profitieren. Kosmetische Eingriffe helfen hier genauso wenig, wie ein Pflaster bei einem Patienten, der eine Notoperation braucht.“

Informationen über Brexit

19.02.2018 |

Ab 30. März 2019  wird das Vereinigte Königreich zum Drittland. Zahlreiche dezentrale EU-Einrichtungen haben Informationen über den Brexit veröffentlicht, so etwa die Europäische Chemikalienagentur, die Europäische Arzneimittelbehörde oder das European Union Intellectual Property Office.

FCIO gratuliert Hartinger-Klein: Nun neue Reformpfade im Gesundheitssystem beschreiten

18.12.2017 | Sinnvolle Einsparungen in Verwaltung sollen den Patienten zu Gute kommen

Der Fachverband der Chemischen Industrie, FCIO, gratuliert Beate Hartinger-Klein zur Bestellung zur Gesundheitsministerin in der neuen Regierung. “Mit Hartinger-Klein kommt eine ausgewiesene Gesundheitsexpertin ans Ruder, die einerseits mit allen relevanten Themen vertraut ist und andererseits dank ihrer Lösungsorientierung nicht vor großen Reformen im Sinne des Patientenwohls zurückschreckt“, kommentiert Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbandes, die Angelobung der neuen Gesundheitsministerin.

Die Effizienzsteigerung im heimischen Gesundheitssystem sei laut Hofinger nun ein wesentliches Anliegen, das die neue Regierung in Angriff nehmen muss. In diesem Sinne begrüßt der FCIO die präsentierten Pläne zur Zusammenlegung der Krankenkassen, die der langjährigen Forderung der Pharmaindustrie entsprechen. Durch die behäbige und ineffiziente Struktur der Sozialversicherung mit 21 unterschiedlichen Trägern gehen laut einer Studie der Wirtschaftskammer jährlich hunderte Millionen Euro verloren, die besser in die medizinische Versorgung der Österreicher investiert werden könnten. Und auch die aktuellen Controlling-Maßstäbe sind für das Milliardenbudget der Krankenkassen nicht ausreichend und öffnen intransparenten Verrechnungen Tür und Tor. „Wir freuen uns sehr, dass die neue Regierung den nötigen Reformwillen beweist und Sozialversicherungsträger zusammenlegen will. Das Festhalten an dem aufwändigen System hat letztendlich dem Patienten geschadet, der stets den Sparstift zu spüren bekam“, kommentiert Sylvia Hofinger die geplante Reduzierung der Zahl der Sozialversicherungsträger.

Österreichs Gesundheitssystem zählt zu den teuersten weltweit, doch der Patient profitiert nur eingeschränkt davon. Denn trotz dieser hohen Ausgaben sind die ÖsterreicherInnen weniger Jahre bei guter Gesundheit. So konnte sich eine 65-jährige EU-Bürgerin 2014 im Schnitt noch 8,6 gesunde Jahre erwarten, eine Österreicherin nur 7,7. „Mit der Zusammenlegung der Kassen müssen nun umfassende Reformen im System einhergehen. Einsparungspotenziale gibt es zur Genüge, sei es in der Verwaltung oder vor allem bei den teuren eigenen Einrichtungen“, fordert Hofinger. So bekommen kasseneigene Analyselaboratorien für eine bestimmte Blutprobenanalyse ein dreifach höheres Honorar als externe Vertragspartner. Ähnliche Zahlen zeigt ein Bericht des Bundesministeriums für Arbeit und Konsumentenschutz bei der PVA, wonach Aufenthalte in den eigenen Einrichtungen in den untersuchten Jahren jeweils mehr als das Doppelte kosteten, als dies bei Vertragseinrichtungen der Fall gewesen wäre.  

„Wir vertrauen darauf, dass Beate Hartinger-Klein die Vorhaben nun rasch und auch gegen den Widerstand von reformunwilligen Bewahrern des kränkelnden Systems umsetzt, damit Patienten die erstklassige medizinische Versorgung bekommen, die sie verdienen“, so Hofinger abschließend.